Praktische Prüfung und Ausstellung spornen an, Vollgas zu geben

Zwei Lernende aus derselben Klasse der Berufsschule Aarau gaben «panissimo» Auskunft über Höhen und Tiefen in Ihrer Lehrzeit und die Zufriedenheit mit ihrem Beruf.

Die Aargauerinnen Nadine Hunziker aus Buchs (Lehrbetrieb Jowa AG, Gränichen) und Annina Adler aus Obermumpf (Bäckerei Aukofer, Möhlin) erzählen selbst wenige Tage vor ihrer praktischen Prüfung (die inzwischen vorbei ist) entspannt und aufgestellt von ihrem Beruf und ihrer Lehrzeit. Doch nicht immer lief alles nur rund,
wie sie im Interview erzählen:
Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf und was vielleicht weniger?
Nadine Hunziker: Ich finde es toll, wenn ich ein Produkt von A bis Z selbst herstellen kann – nach Rezept oder als eigene Kreation – und dann sehe, was herausgekommen ist. Aus wenigen Zutaten kann man etwas mega Schönes machen. Auch das selbstständige Arbeiten und Handwerkliche gefallen mir sehr.
Annina Adler: Im Vorbereiten auf die praktische Prüfung war selbstständiges Arbeiten wichtig. Dabei merkt man, was man in kurzer Zeit erreichen kann und wie aus einfachen Rohstoffen etwas sehr Schönes entsteht. Je länger ich auf dem Beruf bin, umso mehr verstehe ich die Zusammenhänge. Es ist schön, Verantwortung für jüngere Lernende zu haben und diesen Dinge beizubringen, die ich schon weiss.
Wie läuft ihr Berufsalltag ab?
Annina Adler: Das ist sehr unterschiedlich. Bei uns gibt es einen Teigposten und einen Ofenposten. Wir Lernenden sind als normale Arbeitende im Team integriert.
Nadine Hunziker: Bei uns ist es etwas speziell, weil die Jowa eine Ausbildungsbäckerei für Lernende hat. Wir führen einen kleinen Laden und schauen darauf, dass um 6 Uhr die ersten Produkte dort sind. Wir haben ein Standardsortiment, können aber sonst relativ frei entscheiden, welche Produkte wir her­stellen. Teilzeitlich arbeiten wir in Migros-Hausbäckereien und sind dort als Lernende gut einbezogen. Wir sind auch mal verantwortlich für den Ofen oder den Teigposten.
Hatten Sie in der Lehre besondere Aufsteller oder Ablöscher?
Annina Adler: Ein Aufsteller war die Teilnahme an der Ausstellung Creativa an der Berufsschule. Dafür konnten wir Dinge herstellen, die man im Alltag nicht so macht. Das verleiht einem Motivation. Es gab aber auch das Andere: Ich hatte vom 2. bis Anfang 3. Lehrjahr einen Hänger und spielte mit dem Gedanken, alles hinzuschmeissen. Der Betrieb ist für mich aber wie eine zweite Familie. Ich fühlte mich wohl dort. Schon deswegen wollte ich nicht auf­hören. Als es dann Richtung Abschlussprüfung ging, motivierte mich der Gedanke, dass es in etwa einem halben Jahr geschafft ist und ich einen Berufsabschluss ha­ben werde. Ich lernte für die Prüfung, konnte meine Lücken aufholen und vieles selbstständig tun. Das zeigte mir, dass die Lehrzeit nicht umsonst war.
Nadine Hunziker: Ich hatte keine extremen Auf und Ab, merkte aber, dass ich mich nach etwa einem Jahr nicht mehr so gefordert fühlte und etwas langweilte. Man kann sich aber auch selbst fordern und versuchen, jedes Produkt perfekter zu machen oder das Tempo zu steigern. Auf die praktische Prüfung hin kann man dann wieder eigene Ideen verwirklichen und zeigen, was man gelernt hat. Das spornt mega an, im letzten halben Jahr nochmals richtig Vollgas zu geben und zu zeigen, was man gelernt hat.
Wie erleben Sie das Klima im Betrieb und in der Schule?
Nadine Hunziker: Insgesamt stimmt das Arbeitsklima. Es ist manchmal nicht einfach, nur mit Gleichaltrigen zusammen zu arbeiten. Es gab viele Reibereien, aber so wächst man auch als Team. Und eigentlich haben wir es gut miteinander. Da wir immer wieder in eine andere Hausbäckerei kommen, müssen wir uns ins dortige Team einleben. Für mich war das nicht schwierig. Ich bin ein offener Mensch und arbeite gerne mit anderen zusammen.
Annina Adler: Im Betrieb fühle ich mich wirklich wohl. Der Zusammenhalt ist gut. Natürlich gibt es gewisse Differenzen. Bäckerei und Konditorei sind an verschiedenen Orten im Dorf. Als Lernende arbeiten wir in beiden Teams. Wenn wir dann hören, wie das eine Team über das andere denkt, stehen wir unangenehm dazwischen. In der Schule begreifen manche etwas schnell und langweilen sich dann, andere begreifen es auch nach zwei-, dreimaligem Erklären noch nicht. Den Mittelweg zu finden, ist da nicht einfach.
Nadine Hunziker: In der Schule ist es ein gewaltiger Unterschied, ob jemand einen Bezirksschul- oder einen Realschulabschluss hat.
Interview: Christof Erne

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